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Fußball und die Angst vor der Konkurrenz eSport

Fußball und die Angst vor der Konkurrenz eSport

Die Angst geht bei dem FC Bayern um. Der Kontrahent heißt eSport. Uli Hoeneß äußerte sich ähnlich kritisch wie der DFB Präsident und will auf keinen Fall, dass der elektronische Sport olympisch ist beziehungsweise anerkannt wird. Aber warum äußern sich vor allem Vereine und Funktionäre aus dem Fußball derart kritisch?

 

Harte Aussagen von Uli Hoeneß

Der FC Bayern hat als Platzhirsch im Fußball Angst vor eSport.  (Bildquelle: FC Bayern München)
Der FC Bayern hat als Platzhirsch im Fußball Angst vor eSport. (Bildquelle: FC Bayern München)

Seine erste Aussage bezieht sich auf die staatliche Anerkennung. Laut Hoeneß hat eSport keinen Platz darin verdient. 

Es wäre totaler Schwachsinn, wenn der Staat nur einen Euro dazugeben würde. Junge Leute sollen Sport auf dem Trainingsplatz treiben.

Die Prüfung des Deutschen Olympischen Sportbundes sieht er ebenfalls sehr kritisch und lehnt diese kategorisch ab.

Ich sehe ein großes Problem auf uns zukommen. Das darf auf keinen Fall olympisch werden. (Zitatquellen: Kicker eSport)

Er will auf jeden Fall verhindern, dass eSport einen Platz unter den traditionellen Sportarten erhält. Aber warum wehrt er sich derart? Was steckt dahinter und sind diese Zweifel begründet?

 

Check: Ist die Angst begründet? Wird Fußball aussterben?

Uli Hoeneß spricht die Angst aus, die auch der DFB-Präsident Grindel schon äußerte: Die Jugend würde nicht mehr auf dem Sportplatz trainieren, weil sie alle vor ihrem PC sitzen. Sind diese Zweifel begründet? Nein, sind sie nicht. Auf der offiziellen Seite des DFB heißt es:

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat erstmals mehr als sieben Millionen Mitglieder. Aktuell sind 7.043.964 Menschen in den 21 Landesverbänden des DFB gemeldet, das sind 74.493 mehr als im Vorjahr. Der Anstieg ist auf Zuwächse im Seniorenbereich sowie einer Steigerung bei den Frauen zurückzuführen. Ein weiterer Teil des absoluten Anstiegs geht wie in den Vorjahren auf die Klub-Mitgliedschaften von Fans zurück. Daneben ist aber auch die Zahl der aktiven Fußballer weiter gewachsen. In der Spielzeit 2016/2017 ist im Vergleich zur Vorsaison unter anderem ein Plus von mehr als 12.000 Spielern unter 18 Jahren zu verzeichnen, die am Spielbetrieb teilgenommen haben. (Quelle: DFB)

Die Anzahl der Spieler sind also sogar gestiegen, sowohl bei Frauen, Senioren als auch bei Spielern unter 18 Jahren. Es ist also nicht einmal eine Stagnation zu erkennen. Dennoch wird Panikmacherei seitens des DFB und Uli Hoeneß geschürt. Selbst wenn es zu einer Abwanderung der Spieler kommen würde, würden immer noch mehr als genug junge und alte Menschen ihrer Leidenschaft nachgehen. Aber natürlich: Jede Abwanderung bedeutet ein zahlender Kunde weniger. Es müssen ja weiterhin Millionen für Funktionäre, Stadien, Spieler und so weiter ausgegeben werden und es wäre schon bitter, wenn ein Funktionär auf einen neuen Sportwagen pro Jahr verzichten müssen. Sie sind schon arm dran.

 

Faktencheck 2.0

ESports wird zwar immer beliebter, aber ist dennoch weit vom Erfolg des Fußballs entfernt.
ESports wird zwar immer beliebter, aber ist dennoch weit vom Erfolg des Fußballs entfernt.

Sagenhafte sieben Millionen Menschen spielen in Deutschland alleine nur Fußball. Hinzu kommen aber noch andere Sportarten: Handball, Leichtathletik, Turnen, Basketball, Tischtennis, Kampfsportarten und vieles mehr. Deutschland bewegt sich und zwar gerne. Bei Fußball ist zu erkennen, dass die Mitgliedszahlen explodieren und auch Handball wird durch den Erfolg der deutschen Handballmannschaft immer beliebter. 

Wie sieht es im Gegenzug beim eSport aus? Weltweit wurden sechs Millionen Mitglieder bei der ESL registriert, die aktiv in der Szene spielen. Das ist titelübergreifend und stellt schon eine beachtliche Zahl dar. Vergleichen wir dennoch die Zahlen: Fußball = sieben Millionen Mitglieder in Deutschland, eSport = sechs Millionen Mitglieder weltweit.  (Quelle: Game)

 

Also ist alles doch nicht so schlimm?

Ist eSport eine Konkurrenz? Ja. Ist sie bedrohend für traditionelle Sportarten? Definitiv nein. Kinder, die sich gerne bewegen und zum Beispiel Ballsportarten lieben, werden bestimmt nicht auf einmal zu Hardcore-Gamer, die einer eher sitzenden Tätigkeit nachgehen. Das lassen die Funktionäre gerne außer acht. Genauso wie die Gesellschaft, die gerne eSport kritisch beäugt. 

Ebenso ist eine friedliche Koexistenz möglich. Ein Kind, dass gerne Fußball aktiv spielt, kann ebenso in seiner Freizeit FIFA an der PlayStation zocken. Das eine muss das andere nicht ausschließen. Warum nicht beides verbinden und sich bereichern? Warum immer so ein Konkurrenzgedanke? Zu guter Letzt geht es den Funktionären der traditionellen Sportarten nicht um das Wohl der Kinder, sondern es geht ihnen schlicht und ergreifend um eines: Geld. Der DFB, die Vereine und Verbände sind genauso kapitalistisch wie ein wirtschaftliches Unternehmen und da muss jeder Konkurrent schlecht geredet werden. 

Ich bin für eine Lösung, die wirklich konstruktiv ist. Der Hype um eSport kann aktiv von den Vereinen genutzt werden, um ihr Portfolio zu erweitern. Einige Vereine machen dies schon: Schalke 04, Wolfsburg oder RB Leipzig. Auch der FC Bayern nutzt in der Basketball-Abteilung den Boom. Mit Bayern Ballers Gaming haben sie in der Basketball-Simulation NBA 2K ein eigenes eSport-Team gegründet. Sie scheinen also schon weiter zu sein als ihre Kollegen in der Fußball-Sektion, die alles und jeden als Feind erklären.

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Schon in der Kindheit mit Games angefixt, wildere ich seit einiger Zeit in der eSport-Szene. Hearthstone, League of Legends und CS:GO sind meine Jagdreviere, in denen ich aktiv bin. Dennoch verfolge ich die gesamte eSport-Landschaft auch gerne passiv als Zuschauer. Mein größter Traum ist, einmal die Stimmung vor Ort in Katowice zur IEM einzufangen und mitzuerleben.

14 Replies to “Fußball und die Angst vor der Konkurrenz eSport”

  1. Prinzipiell ist es doch so, dass neue Entwicklungen grundsätzlich ängstlich und kritisch begutachtet werden. Und niemand mag Konkurrenz. Aber eSport muss ja nicht zwangsläufig schlecht fürs „reale“ Geschäft sein. Immerhin hat ja auch die Übertragung der Fußballspiele im Fernsehen nicht dafür gesorgt, dass plötzlich keiner mehr in den Verein geht.
    Daher, klasse Beitrag. Deine Idee finde ich super.

    Liebe Grüße,
    Mo

    1. Vielen Dank für das tolle Feedback und ja stimmt, es kann wirklich gleichgesetzt werden mit der TV-Übertragung der Spiele. Gerade dadurch erlebte ja auch Fußball eher einen Boom und wurde immer beliebter. Vielleicht erkennen die Funktionäre das Potenzial auch im eSport.

      Liebe Grüße,
      Mandy

  2. Liebe Mandy,
    so habe ich das noch gar nicht gesehen und somit auch noch nicht drüber nachgedacht. Leider interessiere ich mich als Gamerin so gar nicht für Sportspiele, weshalb mir das wohl auch nie in den Sinn kam, dass es Konkurrenz zu den „Live“-Ballsportarten werden könnte. Ich denke aber, dass Eltern eher darauf achten, dass ihre Kinder in einen Verein gehen und sich austoben, als dass sie sich vor den Fernseher setzen und so glaub ich noch nicht dran, dass Fußball und Co aussterben wird.
    Vielen Dank für den wirklich tollen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Hallo Sarah,

      ja, und auch die Eltern kommen ja hinzu in der Argumentation. Da hast du recht. Und selbst wenn es den Eltern egal ist, ist ja der eigene Antrieb des Kindes da. Sehr viele betätigen sich ja gerne an der Luft und sind in einem Sportverein. Zocken ist da nur eine Ergänzung.

      Liebe Grüße,
      Mandy

  3. hihi, da kann ich ehrlich gesagt absolut mithalten! ich bekomme schon so eine unterschwellige Angst, wenn mal die Tische bei uns im Büro verrückt wurden – klare Sache von Gewohnheitstier-sein! und so ist es eben auch hier … alles was anders und ungewohnt ist, macht eben erstmal Angst 😉

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  4. Ich persönlich kann mir auch nicht vorstellen, dass e-sport eines Tages die Vereine z.B. im Fussball aussterben lässt. Für mich sind diese Bereiche zwei komplett verschiedene Dinge. Im Fussballverein werden oft Freundschaften fürs Leben geschlossen, man bewegt sich in frischer Luft und lernt viel über Sozialverhalten.Ob das im e-sport auch so ist? Wir werden sehen, wie sich das weiterentwickelt.

    1. Im eSport werden auch Freundschaften fürs Leben geschlossen. Ich kenne persönlich einige Spieler schon seit vielen Jahren. In dem Punkt erkenne ich keine Unterschiede. Dennoch stimme ich mit dir überein, dass beides sonst komplett unterschiedliche Bereiche sind. Bereiche, die sich aber bereichern können.

      Liebe Grüße,
      Mandy

    1. Unrealistisch finde ich den Gedanken auch. Beides existiert zwar parallel nebeneinander, aber es sind immer noch zwei total unterschiedliche Bereiche, die sich maximal ergänzen, aber niemals ersetzen werden.

      Liebe Grüße,
      Mandy

  5. Ein wirklich spannendes Thema, besonders da ich eher Fraktion eSport bin. Ich befürchte allerdings, dass dies ein typisches Generations Problem ist. Ein großer Teil der „älteren“ Generation versteht offensichtlich gar nicht so recht was eSport ist und dass dies nicht gleichbedeutend mit vor dem PC vergammeln ist. Spiele wie LOL füllen schließlich ganze Stadien und machen alleine aus rein wirtschaftlichen Gründen schon absolut Sinn.
    Aber seis drum. ESport ist und bleibt auf dem Vormarsch, aber ist weniger Konkurrenz als Erweiterung des Repertoires anzusehen.

    xx Ann-Vivien
    von http://www.annvivien.blog

    1. Ja, viele der älteren Generation setzen eSport mit Vereinsamung und ähnlichem gleich. Klar gibt es auch solche Fälle, die kann es aber auch bei anderen Hobbies geben. Und ja, gerade bei LoL ist sehr gut zu erkennen, dass das Gemeinschaftsgefühl groß ist. Da wird mitgefiebert, das jeweilige Team angefeuert und Kontakte geknüpft. Diese Chance sollten auch Funktionäre erkennen und für sich nutzen.

      Liebe Grüße,
      Mandy

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